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Mein Weg...
Ich wurde am 12.01.1972 in Mailand geboren. Mit meinen 5kg schien ich als Sumoringer prädestiniert zu sein, da noch niemand etwas von meinen Fähigkeiten ahnte. Nachdem ich schon früh das Laufen beherrschte, nahm ich mir einen Ball dazu, um damit zu spielen. Den gab ich in der Folge nicht mehr her und er wurde mein ständiger Begleiter.
Jede freie Minute kickte ich mit meinem Ball, so dass ich mit 6 Jahren dem Fussballclub Spreitenbach beitrat. Ich wurde zu den kleinsten und schlechtesten Junioren (E2) geschickt. Doch schon nach wenigen Wochen haben die Trainer mein Talent erkannt, so dass ich zu den älteren E1-Junioren aufstieg. Nach weiteren paar Wochen und einigen Turnieren sprach sich mein Talent sogar bis nach Zürich herum.
Der bekannte Traditionsverein Grasshopper-Club Zürich klopfte bei mir an und wollte mich unbedingt transferieren. Der Reiz eines grossen Clubs war gross, doch meine Eltern und ich entschieden sich - des Aufwandes und der Schule wegen – gegen einen Wechsel. Also blieb ich bis zu den C–Junioren in Spreitenbach, wo ich in den Jahren 1982 und 1983 2 Mal Aargauer Meister wurde.
Die Zeit war nun gekommen, einen Wechsel zu vollziehen. Der FC Wettingen bemühte sich um mich und wollte mich für die C Inter-Junioren gewinnen. Da der Verein ein Nationalliga A-Team hatte, entschied ich mich für den Transfer. Mit einem weiteren Kollegen aus Spreitenbach fuhren wir mit unseren Mofas ins Training und zu den Heimspielen. Ich machte die Inter-Junioren durch bis zum A–Inter, wo ich dann die Möglichkeit hatte, 1–2 Mal pro Woche mit der 1. Mannschaft zu trainieren. Dies brachte mir meinen ersten Nachwuchsvertrag von CHF 300.- pro Monat. Im Jahr darauf wurden einige junge Spieler in die erste Mannschaft eingebaut, darunter auch ich. Nach einigen Spielen, in denen es mit der Stammmannschaft nicht gut lief, erhielt ich die Chance und debütierte als 18-Jähriger als Libero in der Nationalliga A. Ich kam zu einigen guten Einsätzen, konnte jedoch zusammen mit meiner Mannschaft den Abstieg nicht verhindern. Es wurde eine ganz junge Mannschaft für die Nationalliga B zusammengestellt, doch der Schaden war schon zu gross und der Verein ging Konkurs. Der FC Winterthur-Coach Wolfgang Frank (notabene ein ehemaliger Trainer des FC Wettingen) holte mich zum FC Winterthur. Neben dem Fussballspielen für den Nationalliga B-Verein FC Winterthur arbeitete ich noch zu 70% auf meinem erlernten Beruf als Tiefbauzeichner. Nach der zweiten Saison in Winterthur, als wir um den Aufstieg in die Nationalliga A kämpften, erhielt ich von Neuchâtel Xamax ein Vertragsangebot über 3 Jahre. Das war im Jahre 1994: Die Zeit war reif, um meine Vollprofi–Karriere zu beginnen... Konsequenterweise gab ich in der Folge meinen Beruf auf und entschied mich nach Neuenburg zu ziehen, um diese Chance zu packen. Ich freute mich sehr auf diese grosse Herausforderung. Leider entwickelte sich die Zusammenarbeit nicht nach meinen Vorstellungen, da der Transfer mit dem Präsidenten und den Sportchef abgewickelt wurde, der damalige Coach Gilbert Gress jedoch nichts davon wusste. Der Trainer schenkte mir in der Folge weder Vertrauen noch gab er mir eine echte Chance, weshalb ich in Neuenburg nicht glücklich wurde.
Aus meiner Zeit beim FC Winterthur kannte ich einen Spielervermittler, welcher mir beim FC St. Gallen ein Probetraining verschaffte. Ich hinterliess einen sehr positiven Eindruck bei Roger Hegi und erhielt darauf einen Einjahresvertrag. Die Saison 1996/1997 lief sehr gut und ich avancierte zum Stammspieler, wo ich auf der halb-linken oder linken Abwehrseite eingesetzt wurde. In St. Gallen war der Trainerstab sehr zufrieden mit meinen Leistungen, weshalb der Verein mir eine Vertragsverlängerung über 3 Jahre anbot. Meinen Stammplatz festigte ich mehr und mehr, auch durch meine herausragenden Leistungen bei stehenden Bällen. 1997 erreichten wir den Cupfinal gegen Lausanne–Sport, schafften jedoch den Sieg in einem Penalty-Triller nicht. Als in der Winterpause der Saison 1998/1999 der ehemalige GC-Spieler Marcel Koller als Trainer zum FC St. Gallen wechselte, ging es nur noch aufwärts – vor allem dank des Einprägens seiner Winnermentalität. In dieser Zeit hatte ich mir aus der Hallenfussball–Saison einen Adduktorenabriss zugezogen und musste mich über 3–4 Monate hinweg wieder herankämpfen. Für die bevorstehende Saison 1999/2000 war ich topfit und erkämpfte mir meinen Stammplatz wieder. Dies war sehr wichtig, denn es wurde - entgegen allen Voraussagen - eine sehr erfolgreiche Saison. Wir hielten mit dem Grasshopper-Club Zürich und dem FC Basel mit und setzten uns sogar durch, sodass wir am Ende die Nase klar vorne hatten und nach 96 Jahren endlich wieder Schweizer Meister wurden. Es gab eine Riesenparty und wir wurden von der St. Galler Bevölkerung und der gesamten Ostschweiz wie Helden gefeiert. In der darauf folgenden Saison erwartete uns eine schwierige Aufgabe mit der Doppelbelastung der Meisterschaft und den internationalen Spielen. In der Champions League-Qualifikation gegen das grosse Galatasaray Istanbul schieden wir nach zwei sehr guten Spielen unglücklich aus. Das nächste Highlight folgte im UEFA-Cup gegen Chelsea (mit den Fussballgrössen Zola, Panucci, Hasselbaink, etc.), wo wir die Riesensensation schafften und uns mit dem Gesamtscore von 2:1 durchsetzten. Unser nächster Gegner war der belgische Vertreter FC Brugge. Wir gaben unsere Chancen weiterzukommen im Rückspiel in den letzten 30 Sekunden auf... somit auch der Traum des UEFA-Cups, wo der nächste Gegner der FC Barcelona gewesen wäre. Ich zeigte sehr gute Spiele, sodass auch der deutsche Bundesliga-Traditionsverein Borussia Mönchengladbach und die Schweizer Nationalmannschaft ihr Interesse an mir bekundeten. Dem ersten und einzigen Aufgebot der Nationalmannschaft konnte ich leider nicht Folge leisten, da ich meinen Schweizer Pass erst 2 Wochen später erhalten sollte. Das Interesse von Gladbach verflog, da der FC St. Gallen eine zu hohe Ablösesumme für mich verlangte und mir somit den Traum einer internationalen Karriere verbaute. In dieser Saison 2000/2001 wollten wir uns trotz dieser Doppelbelastung nochmals beweisen und zeigten, dass wir nach wie vor mit den Grossen mithalten konnten. Dies schafften wir auch, verloren jedoch im letzten Spiel und wurden Vize-Meister. Zum Glück reichte es wieder für die Teilnahme am UEFA-Cup, wo wir in der ersten Runde Steaua Bukarest eliminierten. Aber in der zweiten Runde scheiterten wir am deutschen Bundesligisten SC Freiburg.
Nach einigen Abgängen, u.a. auch von Trainer Marcel Koller, verlief die Meisterschaft nicht mehr so gut und wir platzierten uns nur noch im Mittelfeld der Tabelle. Die folgenden 2 Saisons lief es noch schlechter, sodass wir im Jahre 2003 um den Ligaerhalt kämpfen mussten und mit Mühe und Not den Verbleib in der Nationalliga A schafften. Mit dem im Winter gekommenen Trainer, dem ehemaligen FC Wil-Trainer Heinz Peischl, wollte St. Gallen in der neuen Saison einen Schnitt machen und die Mannschaft konsequent verjüngern, sodass die älteren Spieler, u.a. auch ich, ausgemustert wurden. Dieser Entscheid wurde mir in einem 10 Sekunden-Gespräch auf dem Trainingsgelände mitgeteilt. Und das nach 7 zumeist sehr erfolgreichen Jahren beim FC St. Gallen... das tat weh!
Nun stand ich mit leeren Händen da und bangte um meine Zukunft. Eines war aber stets klar: Ich wollte weiterspielen und begann, mich bei anderen Vereinen anzubieten. Da der FC Zürich einen linken Verteidiger suchte, rief ich kurzerhand den Trainer Lucien Favre an. Von ihm erhielt ich die Chance, ein Probetraining absolvieren zu dürfen. Es gab wieder etwas Licht am Horizont für mich - jetzt lag es an mir, diese Chance zu nutzen. Es gelang mir, Lucien Favre und den Trainerstab von mir zu überzeugen. Ich erhielt in der Folge einen leistungsbezogenen Vertrag. Wieder einmal konnte ich mich durchsetzen und erkämpfte mir einen Stammplatz, jedoch lief es der Mannschaft schlecht und wir lagen nach der ersten Saisonhälfte auf dem letzten Tabellenplatz. In der Rückrunde starteten wir dann eine Aufholjagd und landeten schlussendlich auf dem guten 4. Tabellenplatz. Leider reichte es nicht für eine Vertragsverlängerung, obwohl Lucien Favre mit mir zufrieden war. Doch wie das Jahr zuvor zweifelte ich nicht an meinen Qualitäten, gab nicht auf und unterschrieb einen Vertrag bei den Edmonton Aviators in Kanada, um ihnen bei den Playoffs zu helfen. Da war also meine Chance, trotz meinen 32 Jahren noch im Ausland zu spielen! Doch das Glück meinte es nicht gut mit mir und 2 Wochen, bevor ich mein Abenteuer Kanada hätte starten können, ging der Club plötzlich Konkurs... Schon wieder, wie das Jahr zuvor, stand ich ohne Vertrag da - und ausser einem Angebot vom Challenge League-Verein SC YF Juventus hatte ich nichts in den Händen... also nahm ich diese noch so kleine Chance wahr. Da ich nur einen Spesenvertrag erhielt, musste ich auch den harten Weg zum Arbeitsamt machen. Es war eine sehr schwierige Zeit... Trotz meinem noch nicht gestillten Hunger, Fussball spielen zu wollen, musste ich mich um einen Arbeitsstelle bemühen. Morgens trainierte ich alleine und abends mit der Mannschaft, wo sämtliche Kaderspieler neben dem Fussball einer geregelten Arbeit nachgingen. In dieser Zeit suchte ich natürlich weiter nach einer Chance, auf höchstem Niveau spielen zu können und flog u.a. in ein Probetraining nach Rumänien – auf meine Kosten... doch da wurde mir klar, wie schön wir es eigentlich in der Schweiz haben und dieser Transfer scheiterte an der mangelnden Lebensqualität in Rumänien und den leeren Versprechungen von schlechten Spielervermittlern.
Ich entschied mich - trotz ausstehenden, nie erhaltenen Spesenzahlungen -, die Saison bei SC YF Juventus zu beenden. Wir schafften den Challange League–Erhalt auf dem drittletzten Tabellenplatz, was für den wirtschaftlich limitierten Verein ein grosser Erfolg bedeutete.
Der ehemalige Schweizer Nationaltorhüter Stefan Lehmann glaubte trotz meinen 33 Jahren noch an mich und überzeugte Trainer René Van Eck und die Vereinsleitung, mir beim damaligen, Aufstiegsambitionen hegenden Challenge League-Club FC Luzern einen Einjahresvertrag zu geben. Meine Dankbarkeit erwies ich den beiden Trainern, indem ich mit meinen langjährigen Erfahrungen einen guten Ausgleich zur relativ jungen Truppe bildete und so einen grossen Mehrwert für die Mannschaft bedeutete. Wie nie zuvor spürte ich viel Rückhalt und Vertrauen seitens der Trainer und avancierte schnell zum Leistungsträger. Wir hatten zwar mit 3 Niederlagen einen miserablen Start, konnten uns jedoch danach aufraffen und starteten eine unglaubliche Siegesserie, bis wir schliesslich mit 31 nacheinander folgenden nicht verlorenen Spielen die Meisterschaft für uns entschieden und somit den Wiederaufstieg in die höchste Schweizer Liga schafften! Mit 34 Jahren - unterdessen sind es gar 35 - bekam ich wieder die Chance, zumindest 1 Jahr in der Super League zu spielen...
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